In „Gitarre aktuell“ Gak I/00 S. 48 unter der Rubrik „live dabei“

Zwang zur Konzentration

In der im Weichbild der Domstadt ein wenig verborgenen Aula der EZW-Fakultät der Universität zu Köln hatte sich wider Erwarten (es mussten für die wartende Menge eiligst noch Programmhefte nachkopiert werden) eine außergewöhnlich stattliche Gemeinde von Fans, Interessierten und Studenten zusammengefunden, um sodann einem ganz besonderen Hörgenuss zu frönen. Der für seine sensible Klanggestaltung berühmte Andreas Herzau gab nämlich, quasi als verspätetes Antrittskonzert, einen Soloabend der Extraklasse.

Auf dem Programmzettel (Motto: "Virtuose Gitarrenmusik") waren ausschließlich Originalkompositionen von Sor, Giuliani, Tárrega, Villa-Lobos und Barrios zu lesen, doch die immer wieder aufblitzende hohe Virtuosität und stupende Technik des Spielers bildete nur das - zugegebenermaßen - notwendige Gerüst für des einfühlsamen Interpreten eigentliche Gabe, den atemlosen Hörer mittels schon teilweise hypnotisch anmutender Fähigkeit in die Stille zu zwingen. Durch fast schon tranzendental wirkende, hingehauchte Klänge verstand es Herzau ein ums andere Mal auch den letzten Räusperer sich schuldig fühlen zu lassen, denn die aufmerksame Hochspannung im Auditorium, etwa bei den luzide-melancholisch den Konzertsaal durchwehenden "Recuerdos de la Alhambra" oder dem tief lotenden elegischen Prélude No.3 war förmlich mit Händen zu greifen.

Aber neben dem Lyrischen liegt Herzau auch durchaus das Dramatische, z.B. die atemlos dahinrasenden Akkordfolgen der Etude Nr. 12 mit ihren peitschend aggressiven Rhythmen oder das in aberwitzigem Furor gebotene Arpeggio des suggestiv-bohrenden Mittelteils der Etude No. 11. Auch manch überraschende und gelegentlich eigenwillige Interpretations-Volte vermochte den lauschenden Rezipienten nicht aus dessen andächtiger Konzentration zu reißen.

Zum Schluss bewies Herzau seinen besonderen Sinn für Humor bei den vom begeisterten Publikum geforderten Zugaben, indem er einige Stücklein aus dem Tierreich ankündigte:

Eine launige "prestissimo" Hummel ("El Abejorro" von E. Pujol) und als weiteres Encore nochmals ein flatterndes Getier, nämlich - als rasanten Kehraus - den sattsam bekannten Sagreras-"Colibri".

 Holger Börns

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Gitarre

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CD-Rezension in “Gitarre aktuell” II/01 Juli 2001

Grußwort im Jubiläumsheft 20 Jahre GAK

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