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FONO FORUM

      Authentische Ersteinspielung und hörenswerte Wiedergaben altbewährter Piecen.

STEVENS, Guitar, VILLA-LOBOS, Etüden Nr. 12, 11 und 2, Preludes Nr. 5 und 2, PUJOL, Valse, TÁRREGA, Allegro brillante nach einem Thema von Delphin Alard; Andreas Herzau (Gitarre);  Aufnahmedatum: 1982

Klangbild:  Präsent,  klar gezeichnet, transparent. Fertigung: Ohne Einwände.

Mit seiner dritten Platte bietet Andreas Herzau eine Ersteinspielung, die unmittelbar auf die Uraufführung dieses für ihn geschriebenen Werkes in der Londoner Wigmore-Hall folgte: die fünfsätzige Komposition „Guitar" des 52-jährigen englischen Milhaud- und Nadia Boulanger-Schülers James Stevens. Die enge Zusammenarbeit des Interpreten mit dem Komponisten (das Finale hat Herzau sogar - wohl gitarristisch - noch überarbeitet) ergab eine offensichtlich authentische Wiedergabe: denn der Komponist stellte dazu fest:,,. . . die Art und Weise, wie er mein Stück spielte, war außerordentlich. Seine Interpretation war makellos, technisch fehlerfrei und das war um so erstaunlicher, als er das schwierige Stück auch auswendig spielte." Schwierig ist das Stück wahrhaftig, aber Herzau geht es beherzt an, mit enorm wendiger Technik und mit außerordentlicher musikalischer Spannkraft, gleich ob in den mit Klang- und Geräuschraffinessen gespickten drei „modernen" Sätzen oder in den zwei mehr von melodischen Linien geprägten „traditionellen". Dabei gelingt ihm die nahtlose Synthese, die Stevens hier vorschwebte, indem er versuchte, „das Gemeinsame der strukturellen Prinzipien verschiedenster Kompositionsstile zu verdeutlichen und zu verschmelzen". Das Stück trägt seinen Namen zurecht: es ist der Gitarre „auf den Leib" geschrieben. Herzau kostet das auch bewundernswert bis in die letzten Klangnuancen aus. Daß der Scheit- und Bream-Schüler, dem - zu Recht - „raffinierte Klangmagie" nachgerühmt wird und den die Kritik - gleichfalls mit Recht - als „brillant musizierenden Spieler" und „sensiblen Virtuosen" preist, technisch wie musikalisch ausgezeichnet Villa-Lobos, Pujol und Tárrega spielt, überrascht einen nicht mehr, wenn man seine Stevens-interpretation gehört hat. Aber die merklich engagierte Wiedergabe der drei älteren Komponisten verrät auch, daß sein Gitarristenherz noch weit mehr für sie schlägt.

Karl Ludwig Nicol                                                                                                                                 [home]